Die Entdeckung des Nachbarn: Niederlande!
Ja Schwester, Nein Schwester!
Niederlande 2002, 100 min, OmU
Regie: Pieter Kramer
Die Fernsehserie Ja Zuster! Nee Zuster! war in den Sechzigerjahren in Holland ein Strassenfeger. Die Originaldarstellerin der resoluten Schwester Klivia, die ihr Rusthuus, ihr Altersheim, fest in der Hand hat und an das Gute im Menschen glaubt, war damals beliebter als die holländische Königin. Und viele der Lieder sind heute noch, unabhängig von der Fernsehserie, bekannt. So konnte Regissuer Pieter Kramer in Holland auf das Interesse des Publikums zählen. Doch auch über die Landesgrenzen hinweg bezaubert das Musical mit seinem unzeitgemässen Charme.
Altersheim nennt sich die merkwürdige Residenz in einem hellhörigen Amsterdamer Haus. Alt allerdings sind seine vier Bewohner keineswegs, nur etwas unbeholfen im Leben. Da ist die naive Jet (Tjitske Reidinga), die sich in den zwanghaften Einbrecher Gerrit (Waldemar Tornestra) verliebt, der alsbald ebenfalls zu den Hausbewohnern gehört, und da ist ein Erfinder (Beppe Costa), der eine Pille entdeckt hat, die aus schlechten gute Menschen macht - allerdings nur auf Zeit. Und gleich nebenan wohnt der hartherzige Hausbesitzer Boordeval (Paul R. Kooij), der am liebsten die ganze Gesellschaft los wäre und in den Räumlichkeiten eine profitable Seniorenresidenz eröffnen würde.
Auf der anderen Strassenseite nimmt der schwule Coiffeur Wouter seine Arbeit auf und bald auch wieder die Beziehung zum bösen Hausbesitzer - der sich zuletzt natürlich doch noch zum guten Menschen mausert. Gemeinsam, unter dem Regime der resoluten Schwester Klivia (Loes Luca) singt sich die Truppe durch Ohrwürmer in die Herzen des Publikums.
Ja Zuster! Nee Zuster! ist eine höchst unterhaltsame Musical-Komödie – selbst Musical-Verächter werden sich dem Charme dieses holländischen Juwels nicht entziehen können. Ja Zuster! Nee Zuster! ist nämlich einerseits eine Hommage an die Original-Serie, die in Nostalgie schwelgt, andererseits aber hat der Film auch einen postmodernen, jedoch nie respektlosen Touch. So erscheint die Nostalgie durchaus gebrochen, ohne allerdings das Vergnügen daran zu verderben.
Der niederländische Wettbewerbsbeitrag wurde schon früh von Dieter Kosslick als der wohl herausstechend munterste Film im ansonsten größtenteils traurigen Programm der Berlinale präsentiert. Thomas Vorwerk
Die Filmreihe Die Entdeckung des Nachbarn: Niederlande! läuft zur Zeit im Rahmen einer bundesweiten Tournee durch die kommunalen Kinos in Deutschland. In Oldenburg wird die Reihe unterstützt vom Bundesverband kommunale Filmarbeit, dem Institut für Fremdsprachenphilologien, Seminar für Niederlandistik der Carl von Ossietzky-Universität, dem Deutsch-Niederländischem Servicecenter für Sprache und Kommunikation und Publicexpress.
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