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Cine Rosa
You I LoveRussland 2004, 86 min, OmU Nur Gutes im Sinne macht sich im Winter 1945 der Kritiker und Autor Gunnar Wern per Zug auf den Weg von Stockholm nach Berlin, um beim Aufbau zu helfen. Die Lehren Wittgensteins im Gepäck auf seinem Selbstverwirklichungstrip trifft er auf eine illustre Schar skurriler Gestalten, die nicht alle ehrenwerte Absichten haben, doch gleichsam unter der übertriebenen Hilfsbereitschaft von Gutmensch Gunnar zu leiden haben. „Verschwörung im Berlin-Express“ ist nicht nur im Stil des Film Noir der 40er-Jahre inszeniert, auch der Humor ist von der schwärzesten Sorte. Gebrochene und in ihrer Auffassung von Moral lächerliche Gestalten sind sie fast alle, die zur „Stunde Null" nach Berlin reisen: Da sind der Arzt und seine Geliebte, die den perfekten Tablettenmord an der Ehefrau planen, ein zynischer Schwuler und sein von Weltschmerz geplagter Freund (großartig verkörpert von Bergman-Darsteller Gösta Ekman), ein paar baltische Flüchtlinge, die ausgewiesen werden plus zwei Nonnen als Begleiterinnen, ein pedantischer Schaffner (gespielt von Regisseur Peter Dalle selbst) und ein verwundeter Soldat, der bei jeder Hilfeleistung von Gunnar noch eine Versehrung hinzu bekommt - und natürlich Gunnar selbst, dessen unbedingter Wille, konstruktiv zu wirken, in der Destruktion endet. Seit Erfindung der Kunstform Film ist der Zug ein beliebter Ort der Handlung. Metapher für Aufbruch, Ankunft, Flucht, die Fahrt an ein fremdes Ziel oder auch Erlösung im metaphysischen Sinne, wie Lars von Trier in „Europa“ gezeigt hat. Doch eignet sich die Geschlossenheit des Raumes ganz besonders für das Thriller-Genre. Literarisch und filmisch denkt man dabei gerne an den „Mord im Orient-Express“. Um „Suspense“ zu erzeugen, griff auch Altmeister Hitchcock immer wieder auf den Schauplatz „Zug“ zurück. Der schwedische Autor, Schauspieler und Regisseur Peter Dalle spielt in „Verschwörung im Berlin-Express“ mit Klischees und führt sie mit tiefschwarzem Humor ad absurdum. „Nichts ist notwendigerweise, was es zu sein scheint“, das wusste schließlich schon der alte Wittgenstein zu berichten, der im Verlaufe des Films nicht nur einmal zitiert wird. Brillant und aufwändig in kontrastreichen Schwarzweiß-Bildern inszeniert, schafft Dalle eine Groteske, die keine abstruse Wendung auslässt und in den ausgefeilten Dialogen theologische und philosophische Theorien mit der wunderbaren Welt des Wahnsinns konterkariert. Mit zum Teil brachialem Witz zeigt er, dass der Sinn des Daseins, wenn nicht nur Schein, dann wohl doch eher im Irrsinn zu finden ist. Der Look des Films steht in Kontrast zu den Charakteren, die nur vordergründig wie Klischees wirken, die man aus vielen Filmen gerade der 40er-Jahre kennt, doch in ihren Handlungen unberechenbar sind. Das alles kulminiert in einem bitterbösen Happy End, welches man in dieser Konsequenz lange nicht mehr im Kino gesehen hat. "Verschwörung im Berlin-Express" hat das Potential zu einem echten Kultfilm, doch das werden die Zuschauer zu entscheiden haben. Mehr Infos und Kontakt gibt es bei RollenWechsel - lesbischwules Kino in Oldenburg |
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