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Girls Act / Lernort KinoKroko
Deutschland 2003, 93 min Nach einer ziemlich langweiligen Nacht in einer "Disse" fährt Kroko bei einer wilden Verfolgungsjagd mit einem gestohlenen Wagen und ohne Führerschein einen Radfahrer an und verletzt ihn schwer. Leid tut ihr das nicht, vielmehr nervt sie die Konsequenz für ihr Vergehen: Ein Gericht verurteilt die Uneinsichtige zu 60 Stunden Sozialdienst in einer Behinderten-Wohngemeinschaft. Das ist für die Kiez-Queen natürlich völlig unter ihrer Würde. So ist ihr erster Besuch in der Betreuungseinrichtung auch von Abscheu und Verweigerung geprägt. Doch die Behinderten zeigen sich von Krokos ablehnendem Verhalten überhaupt nicht beeindruckt – eine ganz neue Erfahrung für die herrische Kroko, nach deren Pfeife sogar die eigene Mutter tanzt. Allmählich baut die verschlossene Schnodder-Schnauze eine Beziehung zu den WG-Bewohnern auf. Besonders zu Rollstuhlfahrer Thomas, einem sehr eigenwilligen Charakter, fühlt sich Kroko freundschaftlich hingezogen. Als sie mitbekommt, wie er sich seine eigenen Bauchgeräusche auf Kassette anhört, bricht das Eis endgültig zwischen den beiden - eine großartige und sehr, sehr witzige Szene! Überhaupt lernt Kroko jetzt ein völlig anderes Leben kennen, das ihre Weltsicht langsam, aber sicher ins Wanken bringt: Die Behinderten zeigen nämlich ganz offen und völlig "uncool" ihre Gefühle und drücken unverhohlen ihre Bedürfnisse aus. Das unterscheidet sich doch arg vom rauen Verhaltenskodex in ihrer Clique und den ewigen Vorwürfen ihrer Mutter ... Enders' Film machen ganz besondere Qualitäten aus: Der Blick auf die beiden gesellschaftlichen Randgruppen ist weit entfernt von jeglicher Sentimentalität, Larmoyanz oder aufgesetztem Mitleid. Der Blickwinkel ist nie von oben, sondern bleibt auf respektvoller Augenhöhe mit den Protagonisten, ohne sich anzubiedern. Enders reduziert die Weddinger Jugendlichen und die Behinderten nicht auf ihre Schwäche, sondern zeigt sie als starke Persönlichkeiten zwischen Macht und Ohnmacht aufgrund ihres jeweiligen Handikaps. Ihre Antihelden sind, trotz manch negativer Attitüde, echte Sympathieträger. Immer begleitet von beißendem und trockenem Berliner Humor und feinster Situationskomik, nimmt der Film seine Figuren dennoch absolut ernst. Der Regisseurin ist somit die Gratwanderung zwischen schwerem Thema und leichter Erzählweise wunderbar gelungen. In Deutschland ein eher seltenes Phänomen, denn oftmals sind hier Problemthemen bei ihrer filmischen Umsetzung tonnenschwer und von Depression umnebelt. Zudem hat Enders' Film einen Drive, der dem erlebnishungriger Großstadtkids entspricht und den der Soundtrack, vorwiegend HipHop, perfekt unterstützt. Bis auf wenige Ausnahmen – Krokos Freund Eddie und ihre Mutter beispielsweise – hat Enders alle Rollen mit Laien besetzt. Sie stehen den professionellen Schauspielern in nichts nach. Ihr Spiel ist authentisch und natürlich, jeder Ton sitzt. Die behinderten Darsteller gehören zum Ensemble des Berliner Theaters Thikwa. Kroko-Darstellerin Franziska Jünger ist eigentlich Arzthelferin. Das dürfte sich bald ändern, denn ihre Leistung in dem Film ist enorm. Franziska Jünger ist in dieser Rolle so lebensecht, dass am Ende ein einziges Lächeln schon zum Ereignis wird. Michael Althen, FAZ, ...herrlich komisch und anrührend. Süddeutsche Zeitung
Eine Veranstaltung im Rahmen der Projektes Lernort Kino. Die Filme dieser Reihe können auch kurzfristig noch von Schulen gebucht werden. Grundsätzlich ist es möglich auch für unser sonstiges Programm nach Absprache Sondervorstellungen zu buchen. |
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