Mediterrane Horizonte - Nordafrika
Weit weg
Loin
Frankreich, 2000, 120 min, OmU
Regie: André Téchiné
An klaren Tagen kann man von Tanger aus fast die spanische Küste erkennen. Orient und Okzident sind sich in dieser traditionsreichen Handelsmetropole so nah wie kaum an einem anderen Ort. Und doch ist Europa für Saïd, einen der unzähligen jungen Männer, die nur aus dem Hinterland Tangers in die Stadt gekommen sind, um von dort aus Afrika zu verlassen, nahezu unerreichbar. Sein Freund Serge, ein Lastwagenfahrer aus Frankreich, kann Tanger zwar ohne Probleme erreichen, um dort Ware zu laden, aber die Stadt in ihrem Wesen ist für ihn so weit weg wie Spanien für Saïd.
Für Serge und Saïd kann Tanger, wie auch für die anderen Männer in André Téchinés Weit weg, nur eine Durchgangsstation sein. Heimisch werden, das gelingt eher den Frauen, der jungen Jüdin Sarah, die das alte Familienhotel verkauft hat und sich entscheiden muss, ob sie bleibt, oder zu ihrem Bruder nach Kanada geht, oder der hochschwangeren Optikerin Farida, die alleine lebt und sich ihren Platz in der islamischen Gesellschaft erkämpft hat. Weit weg ist ein Film des Übergangs, eine drei Tage umfassende Momentaufnahme, die Tanger als Kristallisationspunkt der großen Umwälzungen unserer Zeit ausmacht. Alles befindet sich hier in ständiger Bewegung, und noch ist nicht absehbar, wohin der Weg führen wird.
„Ein sehr persönlicher Film, zu lesen als politisch und künstlerisch kompromissloses Statement, das an Zärtlichkeit und Leichtigkeit kaum zu überbieten ist.“ (film-dienst)
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