Deutsche Entdeckungen
Netto
Deutschland 2005, 90 min
Regie: Robert Thalheim
Marcel ist ein Vater, wie man ihn sich in seinen schlimmsten Albträumen nicht wünscht: Ein Prolet Mitte 40, der mit fettigen Haaren im schmutzigen Unterhemd auf der Couch sitzt. Seine Frau hat ihn verlassen; außerdem ist er arbeitslos, seit sein Laden für Alarmanlagen am Prenzlauer Berg Konkurs ging. Manchmal geht Marcel trotzdem hin, um Elektrogeräte für Freunde zu reparieren oder einfach so herumzuschrauben. Ansonsten hört er Country-Musik, keine amerikanische, sondern als Ex-DDRler vom Prenzlauer Berg jene von Peter Tschernig. Hauptsächlich aber bereitet er sich lesend auf seinen Traumjob vor: als „Personenschützer“ von Politikern. Ein Bodygard ohne jede Perspektive, bis sein 15-jähriger Sohn Sebastian vor der Tür steht, den er seit zwei Jahren nicht mehr gesehen hat. Sebastian lebt bei seiner Mutter, doch die hat jetzt einen neuen Freund, ist schwanger und zieht in ein Haus im Grünen. Zu viel Idylle für Sebastian. In Marcel sieht der Einser-Schüler zwar nicht den Vater, den er sich wünscht, doch könnte man den etwas erziehen. Deshalb bringt er Marcel Rechtschreibung bei, diktiert ihm einen beschönigenden Lebenslauf für Bewerbungen, geht mit ihm Krawatten kaufen und arrangiert sogar ein Vorstellungsgespräch. Doch Marcel, der seinen Sohn liebt und ihn rührend mit Ravioli aus der Dose bekocht, setzt alles in den Sand, weil er sich nicht beherrschen kann und sich als Opfer des herrschenden Gesellschaftssystems bemitleidet. Den Krawattenverkäufer brüllt er genauso an wie den Unternehmer, der ihn einstellen könnte. Es dauert nicht lange, bis sein Sohn frustriert registriert: „Abgesehen von deiner miserablen Form, hast du auch überhaupt kein Profil“. Sebastian, der sich seines Vaters schämt, hat aber auch noch anderes im Kopf. Seiner Freundin gegenüber behauptet er, sein Vater sei Personenschützer, „so wie Clint Eastwood in ,In the Line of Fire'“. Doch just als er ihn seiner Freundin vorstellen will, hängt der Vater sturzbetrunken in der Wohnung herum, woraufhin das Mädchen entsetzt das Weite sucht ...
Selten war eine Versöhnung anrührender ... Netto ...ist ein Überraschungsfilm, wie ihn die Perspektive Deutsches Kino liebt: Regiedebüt eines Babelsberger Filmstudenten, eine kleine, klare, konzentrierte Geschichte, ein leuchtend schönes, alltägliches Berlin. Und Darsteller, wie man sie nicht jeden Tag im Kino sieht. Tagesspiegel
Hut ab vor Netto! ...Schlicht bemerkenswert, welch stimmige, präzise und einfühlsame kleine Filmperle Robert Thalheim da geglückt ist Saarbrücker Zeitung
Gewinner des "Filmkunstpreises" beim Festival des deutschen Films
Gewinner des Max-Ophüls Preises in Saarbrücken und Gewinner Perspektive Deutsches Kino, Berlinale
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