nuevo cinema argentina
„Eine Idee im Kopf und eine Kamera in der Hand“: gemäß dieser gerade dank ihrer Schlichtheit revolutionären Devise brach in den sechziger Jahren der legendäre Regisseur Glauber Rocha mit der traditionellen lateinamerikanischen Filmästhetik und rief das „Nuevo Cine“ ins Leben.
Angelehnt an die Vorbilder des italienischen Neorealismus und der Nouvelle Vague holten die jungen Filmemacher das Kino vom bittersüßen Kitsch in die Alltagsrealität ihres Kontinents. Doch das ist lange her.
Voll Staunen betrachten die Veteranen des „Nuevo Cine“ heute das Auftauchen eines schier unerschöpflichen Potentials an rebellischen jungen RegisseurInnen.
Ungeachtet des wirtschaftlichen Zusammenbruchs im Argentinien der letzten Jahre lässt sich dort insbesondere ein Phänomen nicht bremsen, das französische Filmkritiker gern „La Nouvelle Vague argentine“ nennen. In ästhetisch ausgereifter Weise, in langsamem Rhythmus und einem erzählerischem Minimalismus sind diese Filme völlig entgegen den Anforderungen des kommerziellen Kinos produziert und können sich dennoch auf dem Markt behaupten.
Das Staunen über dieses Filmwunder wollen wir dem Oldenburger Publikum nicht vorenthalten.
Aus heiterem Himmel
tan de repente
Argeninien, 2002, 94 min, OmU
Regie: Diego Lerman
Die junge Verkäuferin Marcia ist vom Land nach Buenos Aires gezogen. Sie ist einsam und äußerst scheu – gefangen in ihrer tristen Alltagsroutine. Eines Tages verfolgen sie Mao und Lenin, zwei junge lesbische Punkfrauen, die sie mit unverfrorener Offenheit aus der Reserve locken: Mao will mit ihr die Nacht verbringen. Halb verführt, halb genötigt, lässt Marcia sich auf ein Gespräch ein. „Liebe, die unerklärbar ist, kann bewiesen werden. Und der Liebesbeweis ist gleich viel wert wie das Gefühl“, versichert ihr die launische Mao – schon ganz eingenommen von der Idee, das unschuldige Mädchen zu verführen. Um eben diese Liebe zu beweisen, laden sie die beiden Frauen zu einem Ausflug an das Meer ein, das Marcia noch nie gesehen hat. Die Eskapade wird zur Initiationsreise, deren eigentliches Ziel durch immer neue, unvorhersehbare Ereignisse hinausgeschoben wird.
Im Mittelpunkt von Aus heiterem Himmel stehen die Beziehungen zu den anderen und deren Wandlung – ausgelöst durch die Reise und die Energien, die sie freisetzt. Davon sind nicht nur die Reisenden betroffen, sondern auch jene, denen sie unterwegs begegnen. Der Film ist ein Loblied auf das Risiko und das Abenteuer sowie darauf, die Masken fallen zu lassen, die uns von den Anderen trennen.
Internationales Filmfest Locarno 2002 - Silberner Leopard
Viennale 2002 - FIPRESCI Preis
Buenos Aires Filmfest 2002 - Gewinner des Publikumspreises u.Spezialpreis der Jury
Havanna Filmfest 2002 - Bester Film
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