Fokus Lateinamerika
El ultimo tren
Uruguay 2002, 93 min, OmU
Regie: Diego Arsuega
Uruguay ist sicherlich kein sonderlich fortschrittliches Land, aber daß man sich bereichert an dem Verkauf eines nationalen Kulturerbes wollen einige gewiefte Alte einfach nicht zulassen. Die letzte Dampflokomotive des Landes soll für einen Hollywoodfilm verkauft werden. Doch die "Eisenbahnfreunde" versuchen dies zu verhindern, indem sie das frisch restaurierte Museumsstück kurzerhand entführen und auf diese Weise das Interesse der Medien und somit der Öffentlichkeit auf sich und ihre Mission lenken: "Das Erbe darf nicht verkauft werden."
Diego Arsuagos Film ist eine herrlich schrullige Rentner-Farce. Entgegen der üblichen Hollywood-Strategien verzichtet er auf jugendliche Haupt- oder Identifikationsfiguren und erzählt stattdessen eine weise und humorvolle kämpferische Geschichte. Die Storyline um die Entführung der Lokomotive kann dabei durchaus als Parabel gelesen werden. Sie ist lediglich Mittel zum Zweck, um vom Kampf der Traditionen gegen den rücksichtslosen Fortschritt zu berichten und eindeutig für ersteres Stellung zu beziehen. Arsuagas Rentner stehen dabei symbolisch für die Werte und das Wissen der Vergangenheit , das es zu respektieren und bewahren gilt. Héctor Alterio bringt es in seiner Rolle als Professor auf den Punkt, wenn er sagt, jeder bestünde aus der Summe seiner persönlichen Erfahrungen - und was bleibt, wenn man diese nicht mehr hat?
Das herausragende Ensemble, das auf dem Filmfestival von Valladolid mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet wurde, schafft es mit Hilfe des mit Herzblut geschriebenen Drehbuchs spielend, seinen Zuschauer für sich einzunehmen und eine der schönsten Geschichten seit langem zu erzählen.
zurück zur Monatsübersicht