Fußballtheater
In Zusammenarbeit mit der Universität Oldenburg präsentieren wir an sieben Dienstagen vom 25. April bis zum Beginn der WM einen Film oder einen Kurzfilmabend rund um „die schönste Nebensache der Welt.“ Wir garantieren spannende Unterhaltung und einen Blick, der sich von den gängigen Klischees löst.
Die Welt ist rund
Fünf Filme – unterschiedliche Kontinente – mannigfaltige Themen – ein Fussball.
Erzählt wird die Geschichte zweier Frauenfußballteams in Honduras, ein Mädchen dass sich auf den Bolzplätzen in Havanna behauptet, ein Junge der in Grönland auf Schnee und Eis trainiert um seinen Traum vom Profifußball zu verwirklichen oder die Geschichte eines 14 jährigen Mönches aus Nepal, dessen Leidenschaft nicht mit den Regeln des Klosters zu vereinbaren ist.
Gezeigt wird aber auch ein Blick auf den illegalen Handel mit vielversprechenden Talenten aus Afrika für den europäischen Markt oder die Herstellung von Fußbällen durch billige Kinderarbeit.
Die Filme werfen einen Blick auf die Menschen und ihr Leben, eröffnen neue Horizonte und machen neugierig.
Die Filme:
The Ball
ein Film von Orlando Mesquita, Mosambik 2001, 5 Min
Auf einem Dorfplatz in Mosambik spielen Jungen begeistert Fussball. Da taucht ein wütender Mann auf, beschuldigt die Jungen, sie hätten sein Präservativ gestohlen, und beschlagnahmt den Ball. Nun müssen sich die Kinder einen neuen Ball besorgen. Sie legen Geld zusammen und gehen im Laden an der Ecke Präservative kaufen. Sie blasen eines auf, umwickeln es mit Lumpen, Zeitungen und Schnur und fertigen daraus mit großem Geschick einen neuen Fußball. Das Spiel kann weitergehen...
Balljungs – Woher kommen unsere Fußbälle?
ein Film von Svea Andersson, Anke Möller, D/Pakistan 1999, 28 Min
Was hat die weltweite Fußballbegeisterung und Fußballindustrie mit der Kinderarbeit in Pakistan zu tun? Die Reportage zeigt die Zusammenhänge: Aus Pakistan kommt mit ca. 20 Mio Lederfußbällen jährlich ein Grossteil der Weltproduktion, viele davon von Kinderhänden genäht. In Sialkot in Pakistan leben Assan und Sagir, sie beginnen früh morgens mit der Arbeit – täglich entstehen aus 32 Einzelteilen mit 750 Nadelstichen vier Bälle. Dafür bekommen sie etwa einen Euro, womit sie essentiell zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Die beiden Jungen erzählen von ihren Familien, ihren Wünschen, Sorgen, Freuden und dem Schulprogramm der ILO, an dem sie abends teilnehmen und das sich an Kinder aus der Fußballproduktion richtet.
Mika, Chula und Karma
ein Film von Christoph Weber und Bernd Wilting, D 2001, 20 Min
Mika, der Inuit aus dem Südwesten Grönlands hat mit seinem Vater noch Jagen und Fischen gelernt. Oft sind sie deshalb mit ihrem Motorboot unterwegs, um einen Fuchs oder ein Rentier zu erlegen. Abends trainiert er auf dem schnee- und eisbedeckten Platz unter Flutlicht, denn er hat einen ehrgeizigen Traum: Profifußballer.
Chula lebt mit ihrer Mutter in Havanna, der Hauptstadt Cubas. In dieser Männergesellschaft träumt sie von einer Fußballkarriere und geht als einziges Mädchen regelmäßig zum Training. Während ihre Trainerin sie unterstützt und fördert, hegt Chulas Mutter Zweifel, denn eigentlich wollte sie, dass ihre Tochter Tänzerin wird, anstatt als «Mann-Weib» auf dem staubigen Fußballplatz herumzurennen.
Der 14-jährige Karma ist buddhistischer Mönch in Nepal. Sein Tagesablauf ist klar geregelt und strukturiert von Gebet, Lernen und Mahlzeiten. Als Mönch ist er an zahlreiche Gelübde gebunden, Fußball dürften er und seine Freunde eigentlich nicht spielen, bei jungen Mönchen wird es jedoch noch toleriert. Die Welt des Buddhismus und diejenige des Spiels sind offenbar zu verschieden.
Drei ganz unterschiedliche Kinder kommen uns mit ihren Wünschen und Hoffnungen näher und machen neugierig, mehr über ihre Lebensumstände herauszufinden.
Adelante Muchachas! Mädchenfußball in Honduras
ein Film von Erika Harzer, D/Honduras 2004, 26 Min
Auf dem Platz gibt es zwischen ihnen keine Unterschiede mehr: alle vier spielen mit Begeisterung und Leidenschaft Fußball. Dabei kommen die vier Mädchen aus Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras aus völlig unterschiedlichen Lebensumständen und -welten und würden im Alltag nie aufeinander treffen. Seydi und Wendi leben in den Armenvierteln, kennen Gewalt und Vorurteile gegen Frauen aus nächster Nähe und spielen im Team von Compartir. Cristel und Kenia stammen aus der Mittelklasse, besuchen Privatschulen und führen auch sonst ein eher abgeschottetes und abgeschirmtes Leben. Alle vier teilen jedoch ihre Hingabe zum Fußballspiel und auch die Träume, in dieser männerdominierten Sportart erfolgreich zu sein.
Der Film gibt Einblick in die Lebenswelten der jungen Frauen, ihre Familie, Hoffnungen, Ängste und Schwächen, er zeigt, dass Sport unabhängig von der Herkunft begeistert und u.U. dazu beiträgt, dass soziale Barrieren durchbrochen werden.
Sold out
ein Film von John Buche, A/Ghana 2002, 27 Min
Die Freude am Fussball ist die eine Seite, eine andere ist der Fussball als Geschäft. Viel Geld verdient wird damit vor allem in den Industrieländern, gute Spieler und viel versprechende Talente aber kommen zunehmend aus Afrika. Weniger bekannt ist der – oft dazu illegale – Handel mit Nachwuchsspielern. Als „Rohdiamanten“ beschreibt sie ein belgischer „Vermittler“, der im Film über die Hintergründe des Geschäftes berichtet.
Agenten europäischer Clubs werben in Ghana, Nigeria, Senegal und anderen afrikanischen Ländern junge talentierte Spieler ab. Weil sie für eine legale Einreise oft noch zu jung sind, werden Ausweispapiere gefälscht oder auch Meldebehörden bestochen, um die nötige Aufenthaltsgenehmigungen zu erhalten. Manche jungen Spieler halten sich jahrelang illegal in Europa auf, was sie leicht erpressbar macht. Die Familien in Afrika warten oft lange und nicht selten vergeblich auf das für ihren Lebensunterhalt eingeplante Geld.
Auch führende Funktionäre der internationalen Fussballverbände, wie Franz Beckenbauer oder der FIFA-Präsident Joseph Blatter nehmen im Film Stellung zu diesem Tabu der europäischen Fußballszene. Doch ihre Aussagen wirken eher hilflos, denn zu viele Interessen auf beiden Seiten stehen den vorgeschlagenen Maßnahmen zum Schutz der Jugendlichen entgegen.
Der Film untersucht an mehreren Beispielen, wie sich die kulturellen Unterschiede, vor allem aber das ökonomische Gefälle zwischen Afrika und Europa im Fußballbusiness auswirkten und wie skrupellose Geschäftsleute das zu ihrem Vorteil nutzen. Nur für wenige der jungen afrikanischen Spieler wird ihr Traum von der großen Profikarriere in Europa wahr.
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