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Deutsche Entdeckungen
return of the tüdelband - Gebrüder Wolf StoryDeutschland 2003, 82 min, OmU Der Film "return of the tüdelband" führt über aktuelle Musik hinein in die deutsch-jüdische Geschichte: Der junge HipHopper Dan Wolf bricht in San Francisco auf, um Lebenszeichen und Erinnerungen seiner Vorfahren in Hamburg zu suchen. Dabei spielt die Musik eine wichtige Brückenrolle: Mit HipHop der Hamburger Schule, Folk und Techno-Beats, dazu Texte und Versatzstücke der Gebrüder Wolf, die den Kopf nicht mehr verlassen, poetisch, humorvoll und in ihrer schlichten Sprache oft voller Wahrheiten über das Leben. Die Gebrüder Wolf traten in den 10er und 20er Jahren des gerade vergangenen Jahrhunderts in den Amüsierbetrieben rund um die Reeperbahn auf. Sie wurden so erfolgreich, dass ihnen bald das Operettenhaus gehörte und sie ihre Künste international darboten: Stimmungsmusik mit frechen, teils schlüpfrigen Texten waren ihre Spezialität. In den Revuen müssen die Wolfs das Publikum mit theatralischer Ironie und deftigen Zoten in heiterste Stimmungen versetzt haben. Die schnoddrige Hamburger Mundart ihrer Stücke trug dazu bei, dass sie zu Publikumslieblingen avancierten. Das Lied "An de Eck steiht n Jung mit n Tüdelband" ist bis heute Hamburgs heimliche Hymne. Dem aufkeimenden Nationalsozialismus konnten auch die Gebrüder Wolf nicht entkommen. Weder die Änderung des Nachnamens von Isaac in Wolf noch die guten Kontakte zum "deutschen" Publikum verhalfen der musikalischen Familie dazu, dem Naziterror zu entkommen. Dass die Gebrüder Wolf deutsches Liedgut zum Besten gaben, rettete sie sowenig wie ihre Popularität. Mitglieder der Familie wurden in den Konzentrationslagern der Nazis ermordet. Einigen gelang das Überleben durch die Emigration. Die Fluchtwege führten über Schanghai in die Vereinigten Staaten, wo die Wolfs in neuer Formation auftraten und versuchten, an die früheren Erfolge anzuknüpfen. Ein Nachfahre der Überlebenden, Dan Wolf, tritt die Reise in umgekehrter Richtung an: ein jüdischer Amerikaner ist in Hamburg auf der Suche nach der Geschichte seiner Familie und nach seiner Geschichte. Dabei findet er nicht nur Antworten auf die Fragen zum Zusammenleben von Juden und Nichtjuden, von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Lebensentwürfen - vor allem entdeckt er seine künstlerischen Wurzeln. Wie bei dem Wolf Trio ist auch seine Sprache die der Musik. Und Dan Wolf stellt mit dem HipHop als einer Art zeitgenössischer Volksmusik ähnlich wie seine berühmten Vorfahren einen direkten Kontakt zum Publikum her: Er rappt seine Gefühle und Eindrücke auf Hamburger Strassen und eignet sich so die schmerzlich mit der politischen Vergangenheit Deutschlands verbundene Familiengeschichte an. Der Film gleicht einer Identitätssuche bei der Dan Wolf die Zuschauer durch ein Hamburg führt, das man bisher nicht als Bestandteil der offiziellen Gedenkkultur wahrgenommen hat: Vom Fotoarchiv der Flora bis zum Inneren des Bismarckdenkmals, oberhalb der Landungsbrücken.
Ohne moralisch belehren zu wollen, macht der Film deutlich, wie eng verzahnt das Heute mit dem Gestern ist. Dass das Tüdelband-Lied in Hamburg immer noch präsent ist, beweisen die vielen neuen Versionen von Hamburger Bands, die den Film zu einem unterhaltsamen Ereignis machen. Jens Huckeriedes Film folgt dabei einer anderen Spur, als wir gewohnt sind, sich mit der deutschen Geschichte zu befassen; mit einer Geschichte die kein abgeschlossenes Kapitel ist, dessen Spuren nur noch in Betroffenheit und Wiedergutmachung münden, sondern mit einer Geschichte, die ein kultureller Bestandteil unseres Lebens ist. Wie die vorherigen Werke Huckeriedes wirkt der Film beim Zuschauer: man bekommt "Lust auf Geschichte" und Hamburgs heimliche Hymne geht einem nicht mehr aus dem Kopf! Musik von JaKönigJa, Fink und mehr als 20 Hamburger Bands! Hier gibt es viel mehr Infos rund um die Gebrüder Wolf
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