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Faat Kiné

Senegal 2001, 120 min, 35 mm, OmU
Regie: Ousmane Sembene

Der berühmte schwarzafrikanische Filmemacher Ousmane Sembene porträtiert drei Frauen-Generationen einer afrikanischen Großfamilie.

Die Frau mit der kräftigen Stimme fackelt nicht lange. Wenn sich Männer als Machos aufspielen, weist sie ihnen mit zornigem Blick und einem harschem "Raus" die Tür. Faat Kiné (Venus Seye) hat schon zuviel durchgemacht, um noch nachsichtig mit jemandem zu sein, der ihr das Leben schwer macht. Ihren beruflichen Erfolg als Geschäftsführerin einer Tankstelle in Dakar musste sich die 40-jährige Farbige hart erkämpfen

Eigentlich wollte sie Rechtsanwältin werden. Doch dieser Wunsch rückte in weite Ferne, nachdem sie kurz vor dem Abitur der Schule verwiesen wurde, weil sie schwanger geworden war. Zur Strafe wollte sie ihr Vater gar mit kochendem Wasser übergießen, aber ihre Mutter warf sich schützend dazwischen. Der Lehrer, von dem sie das Kind bekam, ließ sie im Stich. Auch ihre zweite Beziehung endete in einer Katastrophe: Der Verlobte machte sich während einer weiteren Schwangerschaft mit ihrem Geld aus dem Staub. Faat Kiné blieb nichts anderes übrig, sich von ihrem Traumberuf zu verabschieden. Trotz allem hat sie es für ihre Verhältnisse weit gebracht: Sie ist wirtschaftlich unabhängig.

Faat Kiné ist nicht der erste Film, in dem der mittlerweile 80-jährige, legendäre erste schwarzafrikanische Filmemacher Ousmane Sembene ebenso unterdrückten wie emanzipierten Frauen seiner senegalesischen Heimat eine Stimme gibt. Bereits in seinem preisgekrönten Erstling La noire de... (1966) steht eine junge Schwarze im Zentrum, die an den Demütigungen eines französischen Ehepaares zerbricht. Emitai (1971) erzählt von Frauen, die sich gegen französische Kolonialisten erheben. Sein jüngster Film nun - zugleich zweiter Teil einer Trilogie über Héroisme au quotidien (Alltägliches Heldentum) - ist eine wunderbare Hymne auf eine Frauengeneration im postkolonialistischen Senegal, die sich mutig von traditionellen Rollenbildern löst. Unmissverständlich übt der Regisseur herbe Kritik an den alten Patriarchen, die Frauen noch immer als Menschen zweiter Klasse behandeln, polygam leben und Sex ohne Kondome einfordern.

Das alles vermittelt Sembene ohne verbitterten Unterton und ohne Stereotypen. Denn zum Glück haben sich seine starken Protagonistinnen trotz zermürbendem Geschlechterkampf den Humor bewahrt. Und natürlich zeigt Sembene auch Frauen, die noch längst nicht so selbstbewusst auftreten wie die Titelheldin, die Männer in ihre Schranken weist, und ebenso auch Männer, die nicht als selbstsüchtige Paschas auftreten. So liest am Ende Faat Kinés Sohn Djib (Ndiagne Dia) seinem Vater die Leviten und jagt ihn mit den Worten fort, er sei "eine Schande für das moderne Afrika".

Faat Kiné zählt zu jenen sympathischen kleinen Filmen, in denen Worte, Blicke, Mimik und Gesten mehr wiegen als eine spektakuläre Handlung. So kammerspielartig Sembene seine Geschichte mit stilisierten Dialogen und Monologen in Szene gesetzt hat, wirkt der Film streckenweise wie verfilmtes Theater.


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