Frauenbilder im Iran
Ten
Iran 2002, 94 min, 35mm, OmU
Regie: Abbas Kiarostami
Eine junge Mutter fährt ihren Sohn zum Schwimmbad und streitet sich dabei mit ihm über seinen Vater, von dem sie sich hat scheiden lassen Auf ihrer weiteren Autofahrt durch Teheran nimmt sie ihre Schwester, eine Freundin und einige fremde Frauen mit, die mit ihr über Erziehung und Ehe, Liebe und Religion sprechen. So entfalten sich zehn Episoden im emotionalen Leben von sechs Frauen, die vor bestimm- ten Herausforderungen stehen. Zehn Kurzfilme, alle gedreht in demselben Auto, in einer oder zwei festen Einstellungen, mit einer Digitalkamera, die fest auf dem Armaturenbrett montiert ist. Schuss. Gegenschuss. Hinter dem Lenkrad eine in jeder Hinsicht selbstbewusste Chauffeurin, auf dem Beifahrersitz immer wechselnde Fahrgäste: allesamt Frauen. Durch die Fensterrahmen zieht das Leben im sonnigen Teheran vorbei, während hinter dem Volant immer wieder Kleinkrieg geführt wird. Es geht um Scheidung, Liebe und Sex, Selbständigkeit, um ohnmächtige Enttäuschung und um das Leben des Bürgertums. Es könnten auch verschiedene Momente aus dem Leben der einen Frau sein und es ist die Kunst des großen iranischen Regisseurs, aus einer begrenzten Situation mit sparsamen Mitteln und überzeugenden Schauspielerinnen einen Film zu gestalten, der weit über seine Grenzen hinaus wirkt.
Abbas Kiarostami (Der Geschmack der Kirsche) zeigt in seinem Film ein unerhört lebendiges Panorama des modernen Iran aus der Sicht seiner Frauen.
zurück zur Monatsübersicht