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Was Macht Geschlecht

In der schwulen Szene haben Tunten, drag queens und Fummeltrinen schon lange einen festen Platz. Auch unter Lesben gab es immer welche, die sich in unterschiedlichem Maße und auf unterschiedliche Weise Männlichkeit(en) angeeignet haben. Weder Transsexualität noch die Ablehnung, sich in eine feste Rollenvorstellung zwängen zu lassen, sind Erfindungen der letzten Jahre. Doch mit dem zunehmenden Selbstbewußtsein und einer größeren Öffentlichkeit von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, Intersexuellen und Transgender-Personen nehmen Diskussionen um Geschlechterrollen und –kategorien seit einiger Zeit einen weiteren Raum ein. Welche gesellschaftliche Bedeutung haben Tunten, drag kings, butches und femmes? Welche politischen Positionen nehmen sie ein? Was Macht Geschlecht? Diese Fragen wollen wir anhand zweier Filme diskutieren.

Girl King

Kanada 2002, 90 min, DVD, engl. OF
Regie: Ileana Pietrobruno

in Ileana Pietrobrunos PiratInnen-Film Girl King werden sämtliche Rollen und Kategorien in Frage gestellt: Femmes werden zu butches oder stellen sich als Tunten heraus, butches verlieben sich in butches und auch die scheinbar so festgelegte Ordnung von top und bottom gerät durcheinander. Dies alles geschieht, seitdem der König der Königin die koilos gestohlen hat. Captain Candy und (Baby) Butch machen sich auf die Suche nach dem gestohlenen Schatz, ohne den die Königin keinen Orgasmus haben kann. Auf dieser Fahrt wird Butch von Candy in die Geheimnisse und Regeln wahrer ‘butchness’ eingeweiht. Butch jedoch findet Easy, ebenfalls butch auf dem Schiff, attraktiv – ein Begehren, daß Candy nicht akzeptieren kann. Die Spannung auf dem Schiff führt zu einem Kampf zwischen Easy und Butch, den Easy gewinnt, woraufhin Butch – in einer klassischen, schwulen Daddy/Boy-Szene – Easys Schuhe polieren muß. Als das Schiff endlich die Insel des Königs erreicht, stellt sich heraus, daß dieser auch nicht ist, was er zu sein schien.

Girl King ist ein in höchstem Maße erotisches und (selbst-) ironisches Werk, das den klassischen Piraten(!)-Film mit einer Mischung aus Filmschnipseln, Zitaten und völlig neuen Aspekten des PiratInnen-Daseins aus den Angeln hebt. GirlKing funktioniert als wunderbarer ‘queer-trash’ und vergnüglicher ‘gender-fuck’ – nicht ohne ernsthafter Kritik an bestehenden Rollen-vorstellungen und ziemlich schrägen, teilweise recht expliziten Sex-Szenen.


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