Go East: Slowenien!
Der Slowenische Filmfrühling
Im slowenischen Kino herrscht Frühling. Es ist die Rede von seinem Erwachen, seiner Erneuerung, seiner Wiedergeburt, sogar das Schlagwort vom Neuen Slowenischen Film macht die Runde. So klein das Land geografisch auch sein mag, auf der Weltkarte der Kinematografie hat es sich einen bedeutenden Platz erobert.
Erfolgsstory
Die Erfolgsstory begann 1997 mit Express, Express der in vielen Programmkinos erfolgreich lief. Seitdem sind slowenische Filme Stammgäste bei den großen Festivals von Venedig, Berlin, Locarno und Rotterdam. Die Filme erhielten nicht nur zahlreiche nationale Filmpreise, sondern wurden auch international auf vielen Festivals ausgezeichnet. Grenzwächter von Maja Weiss z.B. wurde auf der Berlinale 2002 mit dem Manfred-Salzgeber-Preis für den innovativsten Film des Panoramas geehrt und (A)torsion gewann den Goldenen Bären für den besten Kurzfilm der Berlinale 2003.
Wie so oft hat dieser Erfolg leider nicht dazu geführt dass die Filme auch einen deutschen Verleih gefunden haben und in unseren Kinos zu sehen sind. Wir freuen uns deshalb sehr, mit dieser Reihe nun auch den ZuschauerInnen die keine Stammgäste auf Festivals sind, die Möglichkeit zu geben, den Slowenischen Filmfrühling im cine k zu entdecken.
Mi 13. April, 20.30 Uhr und Sa 16. April
Sweet Dreams
Slowenien 2001, 110 min, OmeU
Regie: Saso Podgorsek
Der 13jährige Egon Vittori leidet unter einem bizarren häuslichen Leben, vaterlos, mit einer religiös-verrückten Großmutter und einer promisken, ihn vernachlässigenden und möglicherweise schizophrenen Mutter.
Zu Beginn der 70er Jahre scheint Jugoslawien ein Land des Wohlstandes zu sein. Waren werden aus dem Westen importiert, darunter amerikanische Musik, Filme und Mode. Alle außer Egon besitzen einen eigenen Kassettenrekorder. Sich seinen Weg suchend zwischen den Familienmitgliedern, Musikaufnahmen besitzenden Hippies, Mitschülern, Lehrern, Kommunisten und Dissidenten, wird Egon am Schluss seinen Rekorder bekommen und nebenbei erwachsen geworden sein.
Do 14. April 20.30 Uhr
(A)torsion
Slowenien 2003, 15 min
Regie: Stefan Arsenijevic
Während der Belagerung Sarajevos zwischen 1992 und 1995 war ein heimlich unter der Rollbahn des Flughafens gegrabener Gang für viele die einzige Verbindung zur Außenwelt.
Der "Tunnel", wie das Bauwerk im Volksmund genannt wurde, erinnerte dabei eher an einen Abwassergraben. Er erlebte viele traurige Geschichten. Für einen Chor war der Tunnel einmal die letzte Möglichkeit, um die eingeschlossene Stadt für eine Europatournee verlassen zu können.
Goldener Bär für besten Kurzfilm auf der Berlinale 2003
Europäischer Filmpreis für besten Kurzfilm 2003
Oscar-Nominierung für besten Kurzfilm 2004
Blind Spot
Slowenien 2002, 87 min
Regie: Hanna A.W. Slak
Gladki flieht aus dem Krankenhaus, wo er zur Kur war, und bittet Lupa um Hilfe. Sie findet ihn halb bewusstlos und beschließt, ihm beim Ausstieg aus seiner Heroinsucht zu helfen. Sie gipst seine Beine ein und schließt ihn in ein Zimmer, das sie gemietet hat. Sie unternimmt alles in ihrer Macht Stehende, um das gemeinsame Leben im kleinen Zimmer so angenehm wie möglich zu gestalten. Die Hilfe ihrer Freunde lehnt sie ab. Sie isoliert sich von der Außenwelt und opfert sich ganz für ihren Freund. Weil sie glaubt, nur sie allein könne die Hindernisse überwinden, die ihnen im Wege stehen, empfindet sie die anderen Menschen als immer bedrohlicher und Furcht erregender.
Ich glaube, dass die Jungen die Rechnung zahlen in einem Land, das sich in einem radikalen Wirtschaftsumbruch befindet. Sie sind mit Drogenproblemen konfrontiert, mit Arbeitslosigkeit und Armut. Wenn eine Gesellschaft sich neuen wirtschaftlichen und sozialen Regeln anpassen muss, wenn sie Zeuge wird, wie sich hinter ihren Grenzen ein Bürgerkrieg abspielt, löst das widersprüchliche Gefühle in der Bevölkerung aus. Die großen Hoffnungen gehen dann Hand in Hand mit der Verzweiflung. Der Weg zu Freiheit und Fortschritt ist mit zahlreichen Tragödien gepflastert, die man in diesen schwierigen Zeiten bloß als Hindernisse betrachtet. Doch keine Gesellschaft kann gedeihen, ohne die Rechte und Bedürfnisse jedes Einzelnen ihrer Mitglieder anzuerkennen." Hanna A.W. Slak
Ausgezeichnet in Locarno, Chicago und Cottbus
Fr 15. April 21.30 Uhr
Grenzwächter
Slowenien, 2001, 100 min
Regie: Maja Weiss
Während der Sommerferien unternehmen die drei Freundinnen Alija, Zana und Simona eine ausgedehnte Kanufahrt auf der Kolpa, dem Grenzfluss zwischen Slowenien und Kroatien. Doch was als unbeschwertes Urlaubsvergnügen geplant war, mündet schließlich in einen Horrortrip. Denn die drei Frauen sind nicht die einzigen, die dem urwüchsigen Lauf des Flusses folgen: Argwöhnisch werden sie von einem selbsternannten Grenzschützer beobachtet – einem konservativ eingestellten Politiker aus der näheren Umgebung, der seine Mission nicht nur unter geographischen Gesichtspunkten versteht. Aus den Schluchten der Kolpa will er vielmehr alles fernhalten, was auch nur den Anschein von Liberalität erweckt, fremd für ihn ist und mit den eigenen Moralvorstellungen nicht übereinstimmt.
Alja und Zana sind die Unbeschwerteren des Trios – furchtlos, respektlos und nicht eben sanftmütig. Simona ist die stillere unter den dreien. Doch am Ende stellt sich heraus, das sie auch die Mutigste ist – am Ende einer Reise, die keine jemals vergessen wird.
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