Mediterrane Horizonte
Waiting for the clouds
Türkei, Griechenland 2005, 90 min, OmU
Regie: Yesim Ustaoglu
Die 60-jährige Ayshe lebt in einem anatolischen muslimischen Fischerdorf und fühlt sich alleine und verlassen als ihre ältere Schwester stirbt. Für den 10-jährigen Nachbarsjungen Mehmet hingegen ist sie eine enge Vertraute, einer Großmutter gleich.
Mehmet macht sich Sorgen um Ayshe. Er liebt es, ihren Geschichten zuzuhören. Außerdem treibt er sich gerne mit seinem Freund Chengiz herum, der ein Vagabundenleben führt. Die beiden sind auf der ständigen Suche nach Chengiz´ Vater, in der Hoffnung, er würde bald zurückkehren.
Ayshe und die anderen Dorfbewohner begeben sich für eine Hochzeit auf eine lange Wanderung ins Hochland. Voller Trauer über den Tod ihrer älteren Schwester, zieht sich Ayshe von Mehmet und auch immer mehr aus der dörflichen Gemeinschaft zurück. Mehmet ist enttäuscht, dass Ayshe sich nicht an den Feierlichkeiten beteiligt. Noch größer ist sein Unverständnis, als Ayshe sich weigert, wieder ins Dorf zurückzukehren. Ayshe bleibt - dort oben zwischen den Wolken - in einer kleinen Holzhütte zurück.
Ayshes unerklärliches Verhalten löst Gerüchte unter den Dorfbewohnern aus. Mit dem Auftauchen des Fremden Tanasis, kommen weitere Vermutungen auf. Die Ankunft Tanasis ruft in Ayshe ihre schmerzliche Geschichte um ihre lange im Dorf verborgen gehaltene Identität wach.
Tanasis und Ayshe teilen dieselben ethnischen Wurzeln. Ayshe wurde adoptiert. Ihr wahrer Name ist Eleni, Tochter orthodoxer pontischer und in der Türkei lebender Griechen. Über 50 Jahre lang lebte sie in Angst und versteckte ihre wahre Identität.
Auf Ayshe lastet ein Schuldgefühl, da sie als 10-jährige ihren jüngeren Bruder im Stich gelassen hat. Statt ihm zu folgen, als er nach Griechenland deportiert wurde, entschied sie sich, in Sicherheit bei ihrer Adoptivfamilie zu bleiben. Dazu entschlossen, zu ihren Wurzeln zurückzukehren, begibt sich Ayshe auf eine Reise nach Griechenland, um ihren verlorenen Bruder zu suchen.
Yesim Ustaoglu ist am 18.11.1960 in Sarikamis im Osten der Türkei geboren und an der Schwarzmeerküste bei Trabzon aufgewachsen. Sie studierte Architektur an der Yildiz-Universität in Istanbul, arbeitete als Architektin, dann als Filmjournalistin und Leiterin von Video-Workshops.
Nach mehreren preisgekrönten Kurzfilmen gab Ustaoglu 1994 mit dem Film ihr Spielfilmdebüt. Der Film wurde auf zahlreichen internationalen Film Festivals präsentiert, unter anderem in Moskau und Göteborg.
Yesim Ustaoglu erlangte mit ihrem Film Reise zur Sonne aus dem Jahre 1999 internationale Anerkennung. Im Wettbewerb der Berliner Filmfestspiele gewann der Film den "Blauen Engel" (als bester europäischer Film) und den "Friedenspreis". Ebenso erhielt er den European John Templeton Filmpreis. Die bewegende Geschichte einer mutigen Freundschaft, die auch durch politische Grausamkeit nicht eingeschüchtert wird, wurde beim Filmfestival in Istanbul mit dem Preis für den besten Film, die beste Regie, den "Fipresci-Preis" und den Publikumspreis ausgezeichnet.
Waiting for the Clouds hat ein politisches Anliegen, aber auch eine ganz eigene Schönheit. An das Trauma der Vertriebenen tastet sich der Film mit großer Zartheit und einer respektvoll auf Distanz gehenden Kamera heran. epd-film
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