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Junges Europäisches Kino / Tschechien

Frühling im Herbst

Tschechiesche Republik 2001, 95 min
Regie: Vladimir Michálek

Er ist fast 80 und noch kein bisschen weise. Fanda möchte sein Leben bis zum letzten Atemzug genießen. Gemeinsam mit seinem alten Theaterkollegen Ed probt er jeden Tag neue fantastische Alltagsrollen: Mal tritt der arme Pensionär als steinreicher amerikanischer Opernstar auf und lässt sich von Immobilienhaien verwöhnen, mal spielt er mit Ed Fahrkartenkontrolleur, um jungen Frauen einen Kuss zu stehlen. Während Fandas Gattin Emílie bereits panisch Begräbnisvorsorge betreibt und Sohn Jára die Eltern ins Altersheim abschieben möchte, ignoriert Fanda souverän alle Alters- und Alltagssorgen. Als aber Emílie eines Tages entnervt die Scheidung einreicht und sein Freund Ed schwer erkrankt, wird Fandas heitere Lebensphilosophie auf die Probe gestellt...

Vlastimil Brodský verkörpert in FRÜHLING IM HERBST Frantisek Hána, genannt „Fanda“, der mit stoisch melancholischem Blick seiner Umwelt Streiche spielt und sich selbst ein besseres Leben herbeiphantasiert. Brodský war einer der bekanntesten und beliebtesten Schauspieler seiner Heimat. Geboren wurde er am 15. Dezemeber 1920 in der damaligen Tschechoslowakei, heute Tschechische Republik. Brodský erhielt von dem einflussreichen tschechischen Bühnenstar E.F. Burian Schauspielunterricht, bevor er 1948 Mitglied des Ensembles des Vinobrady Theaters wurde. Brodský hatte bereits rund zehn Jahre in Filmen mitgespielt, als er 1956 in dem Film HOTEL POKROK (Regie: Hysen Hakani) seinen großen Durchbruch erlebte. Von der Mitte der 60er Jahre bis zu der sowjetischen Invasion im August 1968 dominierten die Filme des jungen tschechischen Kinos die internationale Festivalszene. Und Brodský gehörte zu den Schauspielern, die man in diesen Filmen immer wieder sah. Er arbeitete mit fast allen großen Regisseuren jener Ära zusammen. Mit Jirí Menzel drehte er 1966 SCHARF BEOBACHTETE ZÜGE und 1968 EIN LAUNISCHER SOMMER. Mit Vojtech Jasny entstand 1963 WENN DER KATER KOMMT und 1968 ALL MY GOOD COUNTRYMEN, der den Regiepreis auf dem Filmfestival von Cannes errang, daheim aber wegen Kritik am Stalinismus sogleich verboten wurde.

Brodský, war damals in seinen Vierzigern und bereits auch als Bühnenstar etabliert. Nach 1968, als Jasny ins Exil musste und Menzel nicht arbeiten konnte, ging Brodský zum Fernsehen und auf die Bühne. 1975 gewann er auf den Internationalen Filmfestspielen von Berlin den Goldenen Bären als Bester Darsteller für die Titelrolle in Frank Beyers JAKOB DER LÜGNER. Für seine Darstellung des Fanda in FRÜHLING IM HERBST wurde Brodský mit einem Tschechischen Löwen, dem tschechischen Oscar-Equivalent, ausgezeichnet. Insgesamt hat Brodský in über 80 Filme und Fernsehfilmen mitgewirkt. Bevor er im Jahr 2002 auf dem Festival von Karlovy Vary für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden konnte, wählte Brodský am 20. April 2002 im Alter von 81 Jahren den Freitod.

Regisseur Vladimír Michálek inszenierte mit Frühling im Herbst eine bitter-süße Komödie, die auf vielen Festivals mit dem Publikumspreis ausgezeichnet und für den Europäischen Filmpreis 2002 nominiert wurde.


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